Antworten aus der Perspektive eines Naturwissenschaftlers

Dienstag, 4. Dezember 2018, 19.30 Uhr

Kolpinghaus, Kolpingzimmer
Adolph-Kolping-Straße 1, Regensburg

Prof. Dr. Bernhard Dick (Regensburg)

Nach weit verbreiteter Auffassung darf man nur solchen Aussagen über Gegenstände der materiellen Welt Glauben schenken, welche im Einklang mit den Naturgesetzen stehen. Diese Vorgänge in der Natur sollen weiter allein aus solchen Prinzipien erklärt werden, welche der Natur selbst innewohnen – also ohne Zuhilfenahme von Magie, übernatürlichen Ursachen u. dgl. m. Allerdings wird bei solchen Forderungen meist ein mechanisches bzw. deterministisches Weltbild vorausgesetzt. Das Theoriegebäude, das die Naturwissenschaft seit etwa einhundert Jahren aber tatsächlich benutzt, enthält aber auch paradoxe Komponenten, die „dem allgemein Erwarteten, der herrschenden Meinung oder Ähnlichem zuwiderlaufen oder beim üblichen Verständnis der betroffenen Gegenstände bzw. Begriffe zu einem Widerspruch führen“ (Arnim Regenbogen und Uwe Meyer: Wörterbuch der Philosophischen Begriffe, Hamburg 1997). Der Vortrag soll zeigen, dass einige, in diesem Sinne paradoxe Grundannahmen für die Konsistenz der Naturwissenschaft sogar notwendig sind. Ließe man sie weg, erhielte man absurde Konsequenzen.

Bernhard Dick (Jg. 1953) studierte Chemie inDick Bernhard web Köln und hat seit 1992 einen Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Universität Regensburg inne. Seine Arbeitsgebiete sind Laserspektroskopie und Quantenchemie. Seit seiner Studentenzeit interessiert er sich für das Spannungsverhältnis zwischen Glaube und Naturwissenschaften. Er ist Vertrauensdozent der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk, Mitglied der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) sowie der deutschen Sektion der AISCGre (Associazione Internazionale Studi di Canto Gregoriano).

RÜCKBLICK

Dick 04.12.18 2 webProf. Dr. Sigmund Bonk, der Direktor des Akademischen Forums, thematisierte zunächst paradox erscheinende Glaubenswahrheiten: Etwa „Jesus Christus „wahrer Mensch und wahrer Gott“ oder „ein Gott in drei Personen“ sind Aussagen, die unmittelbar nicht nachvollziehbar sind, ja „paradox“ erscheinen.

Prof. Dick definierte „Paradoxon“ als Wahrnehmungen, die dem vorhandenem Wissen bzw. gemachter Erfahrung widersprechen. Dabei spielen „Paradoxien“, so der Professor für physikalische Chemie, gerade auch in der Naturwissenschaft eine große Rolle.
Dies veranschaulichte er anhand paradox erscheinender optischer Täuschungen.Durch diese Täuschungen machte er deutlich, dass sich ein Paradoxon durch einen veränderten, höheren Blickwinkel her auflösen lässt.
Physikalischer Versuch
Im Rahmen seines Vortrags veranstaltete Prof. Dick ein praktisches Experiment: Anhand des sog. „Doppelspaltversuchs“ zeigte er den staunenden Anwesenden eine „Paradoxie“ in der Naturwissenschaft:
Licht kann sowohl die Charakteristika einer Welle, als auch die eines Strahls aufweisen. Das Licht erscheint hier eindeutig als Welle, dort als Strahl. Das ist paradox!
Namhafte Naturwissenschaftler wie etwa Bohr, Maxwell, Herz oder Einstein befassten sich mit diesem Paradoxon und versuchten eine Erklärung dafür zu finden.
Auflösung des Paradoxons
Der veränderte Blickwinkel, der zur Auflösung dieses Paradoxons führt, wird durch die Quantenphysik eröffnet: Die Frage, ob Lichtquanten Teilchen oder Wellen sind lässt sich letztlich nicht beantworten. Es ist vom Teilchen- Welle Dualismus die Rede und die Quantenmechanik spricht von Quantenobjekten, die verschieden in Erscheinung treten können.
Am Ende seines Vortrags bezeichnete es Prof. Dick als eine Aufgabe der Naturwissenschaften, die Schöpfung Gottes, die voller Überraschungen ist, zu erforschen.
„Echte Paradoxa“ gibt es nicht
Nach einer kurzen Pause war Gelegenheit zu Fragen und Anmerkungen. Bei den nun angesprochenen Themen ging es vom Christentum als fruchtbarer Grundlage für die Entdeckung naturwissenschaftlicher Paradoxa, über die Möglichkeit, die Größe Gottes aus Schönheit der Natur zu erahnen, bis hin zum Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft in der Geschichte und Gegenwart.

Dr. Johannes Schwinghammer

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