Johann Michael Sailer und Alexander Graf von Westerholt, oder:
Innenansichten eines Freundschaftsverhältnisses in bewegten Zeiten


Dienstag, 27. November 2018, 19.30 Uhr
Salzstadel, Konferenzraum
Weiße-Lamm-Gasse 1, RegensburgZieroff web


PD Dr. Gabriele Zieroff (Regensburg)


Begrüßung: Prof. Dr. Sigmund Bonk
Moderation: Prof. Dr. Peter Scheuchenpflug

Bei Anwesenheit von S. E. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Die enge, lebenslange Freundschaft zwischen Alexander Graf von Westerholt (1763-1827) und Johann Michael Sailer (1751 - 1832), ursprünglich durch den bekannten reformierten Pfarrer und Physiognomiker Johann Caspar Lavater (1741-1801) initiiert, war von einem tiefgehenden Vertrauen der beiden Männer zueinander geprägt. Insbesondere die Briefe Sailers an seinen Freund, den leitenden Beamten des damaligen Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis, spiegeln das Leben beider Briefpartner in einem umfassenden Sinne wider. Sie werfen darüber hinaus bezeichnende Schlaglichter auf die zeitgeschichtliche politische und kulturelle Situation der Aufklärungszeit und der Säkularisation in Bayern. Nicht zuletzt zeigt sich darin Sailer ein weiteres Mal als Seelsorger, der auf die persönlichen Bedürfnisse und Belange seines Korrespondenten mit viel Empathie einzugehen weiß

.
PD Dr. Gabriele Zieroff (Jg. 1968) ist derzeit Bearbeiterin des DFG-Projektes „Johann Michael Sailer und seine konfessionsübergreifenden Kreise“ und Privatdozentin für Liturgiewissenschaft an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg.
Prof. Dr. Peter Scheuchenpflug (Jg. 1965) ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an derselben Fakultät.

Rückblick

Die Privatdozentin für Liturgiewissenschaft und Sailer-Forscherin Dr. Gabriele Zieroff ermöglichte anhand des Briefwechsels zwischen Alexander Graf von Westerholt und Bischof Johann Michael Sailer einen Einblick in die neueste Forschung. Frau Dr. Zieroff war während der letzten Jahre intensiv mit „Johann Michael Sailer und seine konfessionsübergreifenden Kreise“ befasst.
Johann Michael Sailer und Alexander von Westerholt
In ihrem Referat warf Frau Dr. Zieroff zunächst einen Blick auf die Biographien von Bischof Johann Michael Sailer und Alexander Graf von Westerholt:
Johann Michael Sailer (1751- 1832) war Jesuit, Professor in Ingolstadt, Dillingen, Augsburg und Landshut, sowie Domkapitular, Generalvikar und schließlich Bischof von Regensburg. Einerseits verfasste er Erbauungsschriften und galt als Vorbild eines Seelsorgers, andererseits wurde er mit Verdächtigungen und Vorwürfen konfrontiert.
Alexander Ferdinand Graf von Westerholt (1765- 1827) war Leiter der fürstlich turn- und taxisschen Bibliothek, Geheimer Rat und Regierungsvizepräsident in Regensburg. Er war Freimaurer, litt zeitlebens an einer angeschlagenen Gesundheit und hatte stets Geldsorgen.
Einblicke ins Innere von Bischof Sailer
Im Kern ihrer Ausführungen stellte die Referentin einige Briefe aus der Korrespondenz zwischen Bischof und Graf genauer vor. Die Briefe geben humoristische, ironische, ja fast sarkastische Züge Sailers zu erkennen; durchgängig wird Johann Michael Sailer als einfühlsamer, sensibler, menschlicher und tieffrommer Seelsorger sichtbar. Er hatte ein besonderes Vertrauen auf den Beistand und die Hilfe Gottes. Im Zentrum seiner Seelsorge, Lehre und auch seines Lebens stand sein Bekenntnis „Gott in Christus, das Heil der Welt“. Zugleich wird Sailer auch als philosophisch analysierender und argumentierender Denker sichtbar.
Nach wenigen Minuten Pause bestand die Möglichkeit zu Fragen und Anmerkungen. Dabei kam etwa zur Sprache, dass sich J. M. Sailer und Graf Westerholt in Prüfening begegneten oder auch dass L. v. Beethoven von den Werken Sailers beeinflusst wurde.

Briefe als lebensdienliche Seelsorge (Bistum Regensburg - Homepage)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren