Der Schleier der KI

Die gefährdete Leiblichkeit im Zeitalter virtueller Welten

Dieser Vortrag untersucht die These, dass Künstliche Intelligenz (KI), so wie sie derzeit vorwiegend zur Anwendung kommt, eine ungefilterte, direkte Erfahrung der Wirklichkeit zunehmend verhindert. Anstatt als neutrales Werkzeug zu dienen, das den Zugang zur Welt erweitert, droht KI unseren Zugang zur Wirklichkeit einzuschränken. Sie interpoliert sich zwischen das menschliche Subjekt und seine natürliche sowie soziale Umwelt und generiert eine gefilterte, personalisierte und oft idealisierte Version der Realität, deren zugrundeliegende Generierungsmechanismen dem Menschen jedoch verborgen bleiben. Der Mensch als ein Wesen, das sich essenziell durch seine leibliche Vermittlung und seine responsiven Beziehungen zu seiner Umwelt konstituiert, droht sich in solchen KI-generierten Welten zu verlieren. Insofern erfordert der rasant zunehmende Einsatz von KI und durch KI geschaffene virtuelle Welten eine Reflexion, wie durch die Grundlagen unseres In-der-Welt-Seins und damit der conditio humana selbst betroffen werden.

Prof. Dr. Georg Gasser © Universität AugsburgProf. Dr. Georg Gasser ist Professor für Philosophie und derzeit Dekan der Kath.-Theol. Fakultät sowie Geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie an der Universität Augsburg. Studium der Philosophie und Theologie in Innsbruck, London und Notre Dame (USA); Promotion in Philosophie an der Universität Innsbruck, Habilitation in Philosophie an der Hochschule für Philosophie München. 2004-2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck sowie Gastdozent an den Universitäten Basel, Zagreb, Torùn sowie Austral (Buenos Aires, Argentinien). Seit 2020 Professor für Philosophie an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Augsburg. Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Handlungstheorie, philosophische Anthropologie sowie Religionsphilosophie.   Bild: Prof. Dr. Georg Gasser | Universität Augsburg