Erfahrung und Glaube. Buchpräsentation 20. Januar 2026

Was bringt die Erfahrung für den Glauben und der Glaube für die Erfahrung? Dieser rote Faden zieht sich durch das neue Buch „Erfahrung und Glaube. Im Dialog mit Leo Scheffczyk“ von Prof. Dr. Manfred Hauke und P. Dr. Richard Schenk OP.
Leo Scheffczyk (1920-2005) war ein katholischer Dogmatiker, der versuchte, die traditionelle katholische Lehre mit modernen Erfahrungen zu synthetisieren. Er sah die Lebenswirklichkeit und menschlichen Erfahrungen als Quelle für die Theologie, im vorliegenden Sammelband besonders in Bezug auf Gnade. Blick ins Buch – hier klicken!

Programm der Buchpräsentation

Was bringt die Erfahrung für den Glauben und der Glaube für die Erfahrung? (Prof. Dr. Manfred Hauke, Theologische Fakultät Lugano)
Ist die „Lebenswirklichkeit“ eine Quelle der Theologie? (P. Dr. Richard Schenk OP, Freiburg i. Br.)
Zeitgenössische Erfahrung in der Marienlehre der Karolingerzeit nach der Habilitationsschrift von Leo Scheffczyk (Prof. Dr. Imre von Gaál, University of St. Mary oft he Lake, USA)
Aussprache mit den Referenten (Moderation: Domkapitular Dr. Josef Kreiml)

Veranstalter:
Institututum Marianum Regensburg, Verlag Friedrich Pustet, Katholische Erwachsenenbildung der Stadt Regensburg und Akademisches Forum Albertus Magnus

Dienstag, 20. Januar 2026, 19 Uhr
EmmeramForum, Emmeramsplatz 3, Regensburg

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

(Titelbild: Leo Kardinal Scheffczyk, Foto: Hans-Günther Kaufmann |Leo-Scheffcyk-Zentrum, Kloster Thalbach, Bregenz)




Neuer Programmflyer liegt auf!

Die geplanten Vorträge im ersten Halbjahr 2026 sind im neuen Vortragsflyer aufgelistet. Domvikar Dr. Christian Schulz stellte einen großen Bogen an Veranstaltungen in seiner Einführung im Haus der Musik vor. Die Auswahl reicht von der Mariologie, der Anthropologie der Sexualethik bis hin zum Schleier der Künstlichen Intelligenz.
Der Programm-Flyer zum Herunterladen kann auf Anforderung auch zugesendet werden: akademischesforum@bistum-regensburg.de | Tel. 0941/5971612
Alle Vorträge erscheinen demnächst auf unserer Homepage.




Offen sein für das, was kommt

Liebe Gäste des Akademischen Forums!

Mit Ihrem freundlichen Interesse an unseren wechselnden Programmen und dem Besuch unserer Veranstaltungen im sich nun neigenden Jahr 2025 haben Sie zum Leben unseres Instituts ganz entscheidend beigetragen.

Es ist schön und dankenswert, wie treu viele von Ihnen uns bereits seit dem 21. Januar 2015 zur Seite standen! Am Abend dieses Tages fand im Beisein unseres Instituts-Gründers Bischof Dr. Rudolf Voderholzer der Eröffnungsvortrag statt, bei welchem der bedeutende Germanist und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Wolfgang Frühwald (1935 – 2019) zum Thema „Albertus Magnus und seine Schüler im 14. Jahrhundert“ gesprochen hat.

Der hl. Albertus Magnus (1200 – 1280), der auch Bischof von Regensburg gewesen ist, wies unserem FORUM in mancher Hinsicht den Weg. Der große Gelehrte – ein leuchtender Stern am Himmel des alten christlichen Abendlands –, verstand es, das Wissen seiner Zeit mit klassisch-griechischer Philosophie, christlicher Theologie und für sich selbst mit einem authentischen glaubensfrohem Lebensvollzug zu verbinden. Dergleichen schien uns aller Ehren und dem ernsten Versuch der Nachfolge wert zu sein!
Im 11. Jahr seines Bestehens darf man sich auf einen weiteren Vortrags- und Diskussionsabend freuen: „Mariologie und Schöpfungstheologie. Von der ‚Mutter Natur‘ zur Gottesmutter“ von Prof. Dr. Manfred Hauke (Univ. Lugano) im Priesterseminar St. Wolfgang, Bismarckplatz 2, am Donnerstag, den 22. Januar 2026, um 19 Uhr.

Aber über das Jahr wird sich auch etwas verändert haben. Moderator der kommenden Veranstaltungen und Direktor des FORUMs wird dann Domvikar Dr. Christian Schulz sein.
Ich wünsche meinem Nachfolger für seine neue Aufgabe von Herzen Glück und Gottes Segen und bitte alle Leserinnen und Leser dieser Zeilen, dem Akademischen Forum Albertus Magnus auch unter der neuen Leitung unbedingt die Treue zu bewahren!
Was mich anbelangt, so werde ich meinen Ruhestand im Kreise meiner Familie (plus Hund „Luna“) weiterhin in Regensburg verbringen – hoffentlich ruhig und ungestört, so dass ich meinem Hobby „Bücherschreiben“ weiter frönen kann (Einmal im Monat werde ich im EmmeramForum auch über ein philosophisches Thema sprechen, worüber das neue Programmheft der KEB – Stadt Regensburg Auskunft gibt).

Danke für so Vieles! Bleiben Sie gesund!

Frohe und segensreiche Weihnachten und ein neues Jahr ohne Krieg und andere Katastrophen wünscht
Ihr

Sigmund Bonk




Akademisches und Kult | Rückblick Leitungswechsel 9. Dezember 2025

„Bald ziehe ich von dannen, mein Kerker bleibt zurück…“ mit diesen Worten verabschiedete sich Prof. Dr. Sigmund Bonk am Festakt des Akademischen Forums Albertus Magnus.
Dieser fand am vergangenen Dienstag, 9. Dezember 2025 statt –  zuerst mit einer Dankvesper in der Kirche St. Blasius / Albertus-Magnus-Kapelle. Es schloss sich die Stabübergabe in der Direktion des Akademischen Forums Albertus Magnus an im Konzertsaal des Hauses der Musik.  Zur Freude des Scheidenden fanden sich dazu der Hochwürdigste Bischof Rudolf und Weihbischof Josef Graf ein – sowie selbstverständlich – der Nachfolger Domvikar Dr. Christian Schulz.

Die Veranstaltung war von viel Musik geprägt, so brachte die Harfinistin Veronika Miller-Wabra feine Klänge der Renaissance zu Gehör. Der Pianist Kilian Langrieger begeisterte durch seine Interpretation einer Klaviersonate von Chopin und einer weiteren von Robert Schumann.

In seinen Eingangsgedanken bekannte sich Prof. Bonk zum „christlichen Humanismus“, gewissermaßen seiner Weltanschauung. Und auch an seine an Michelangelo erinnernde philosophisch-theologische Orientierung.  Diesen Faden „Michelangelo“ nahm das Thema des Festvortrags auf:  „Michelangelos 400. Geburtstag in Florenz 1875 als internationales Künstlerfest“. Die Kunsthistorikerin und Redakteurin Dr. Edith Heindl  stellte detailliert die damalige breite Palette von Aktivitäten rund um das Genie der Renaissance vor.

Ein akademisches Abschiedsfest mit viel Kunst und Kult  endete mit guter Laune und einem Imbiss mit italienischem Wein. Siehe auch Bistums-Beitrag „Dem Geist des christlichen Humanismus treu bleiben“ (Dr. Dr. Stefan Groß)









Wie uns Krippen aus dem Herzen sprechen | TVA-Gespräch 30. November 2025

Am Sonntag, 30. November 2025 startete die nächste Folge von „Kaum zu glauben? im Regionalsender TVA. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Krippen, ihr Titel lautet: „Wie uns Krippen aus dem Herzen sprechen.“ Der 6. ökumenische Krippenweg zeigt, worum es beim Glauben eigentlich geht.

Diesmal waren die Gesprächspartner Kaplan Henrik Preuß, der der Präsident des Verbands Bayerischer Krippenfreunde ist und in der Pfarrei Herz Marien Regensburg wirkt, sowie Prof. Dr. Ludwig Mödl, Pastoraltheologe aus Regensburg, der über die Volksfrömmigkeit forscht. Die Moderation lag bei Matthias Feuerer. 

Krippe in der Kirche und daheim

Warum haben Krippen eine große Anziehungskraft auf viele Menschen, was ist ihre besondere Aussage? Gesprochen wurde auch darüber, welche Botschaft sie übermitteln. Weiter wurde der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die Krippe für die Kirche und in der Kirche hat, verbunden mit der Tatsache, dass viele Menschen eine Krippe bei sich daheim aufstellen.

Ebenfalls im Zentrum stand die Möglichkeit, sich selbst für Krippen konkret zu engagieren. Präsident Preuß sprach daher über das Wirken der Krippenvereine und ihre Hilfestellungen. Neben eingespielten Gesprächen mit Prof. Dr. Sigmund Bonk kam es auch zu mehreren Straßenumfragen, bei denen Menschen in Regensburg von ihrer Beziehung zu den Krippen berichteten.

Ausstrahlung

Die Sendung „Wie uns Krippen am Herzen liegen“ ist in der Mediathek von TVA hinterlegt.  




Das durchscheinende Licht | Rückblick Tagung: Die „Renaissance“ der Gotik 22. November 2025

Am 22. November 2025 fand im beeindruckenden Herzogsaal des Hotels Herzoghof in Regensburg die Tagung „Renaissance der Gotik“ statt. Mit 70 Teilnehmern war sie erfreulich gut besucht – auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Dompropst Dr. Franz Frühmorgen fanden sich ein.
Auf vier fesselnde Vorträge – zum Kölner Dom (Prof.in Dr. Barbara Schock-Werner), zum Regensburger Dom (Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid) und zu Notre-Dame de Paris (Dr. Nathalie-Josephine von Möllendorf) – folgte eine kurzweilige, von Akademiedirektor Dr. Achim Budde geleitete Fragerunde (mit den Genannten plus Prof.in Dr. Hiltrud Kier, Univ. Bonn) sowie eine abschließende Besichtigung des hohen Doms von Regensburg St. Peter.
Die Tagung der Katholischen Akademie in Bayern fand in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg und dem Akademischen Forum Albertus Magnus statt.

In seiner Einführung ging Prof. Bonk auf die Bedeutung großer gotischer Fenster ein („das durchscheinende Licht Gottes in der Architektur“) –  vielleicht sogar das Hauptmerkmal der Architektur dieser Stilepoche. Ein Auszug seines Redetextes ist hier zu lesen.   (Bildrechte: Carl Prämassing)

„Zwischen Gotteshaus und politischem Symbol“ – hier weiterlesen zum Inhalt der Tagung auf der Homepage des Bistums Regensburg (Carl Prämassing)







Kirche als Kitt – wider die gesellschaftliche Spaltung | 28. November 2025

Unsere Gesellschaft erlebt gerade eine Zeit zunehmender Polarisierung, Spaltung und verhärterter Fronten in allen sozialen und kulturellen Lagern. All das stellt den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine harte Probe. Genau diesem Spannungsfeld will sich die Fachstelle „Kirche in Gesellschaft“ im Bistum Regensburg mit dem Format „Regensburger Gespräche zu Kirche in Gesellschaft“ widmen.
Gesprächs-Programm Samstag, 28. November 2025
13.00 Uhr Eröffnung
13.45 Uhr Referat Prof. Dr. Maria-Sibylla Lotter
„Die Politik der Verwundbarkeit. Wie ein neues Menschenbild zugleich Achtsamkeit und neue Konflikte fördert“
14.45 Uhr Referat Prof. Dr. Jochen Ostheimer
„Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Konflikt und Versöhnung“
16.00 Uhr Diskussionsrunde
17.00 Uhr Ausklang bei Wein und Snacks
Diözesanzentrum, Obermünsterplatz 7 Regensburg
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung: gesellschaft@bistum-regensburg.de | Tel. 0941/597-1630 | Flyer zum Herunterladen

Interview zum „Regensburger Gespräch“ mit Sebastian Graef, Leiter der Fachstelle „Kirche in Gesellschaft“ im Bistum Regensburg




Die „Renaissance“ der Gotik | Tagung 22. November 2025

Was haben der Regensburger und Kölner Dom sowie die Pariser Kathedrale „Notre-Dame“ gemeinsam? Diese gotischen Sakralbauten sind im Blick der Tagung ‚Renaissance‘ der Gotik“. Deren architektonische Geschichte und Zweck für politische Identitäten im 19. und 21. Jahrhundert wird rekonstruiert.

Samstag, 22. November 2025, 9 – 16 Uhr
Hotel Herzogshof, Domplatz 3, 93047 Regensburg
Kosten für Teilnahme, Verpflegung und Führungen: 25,00 € an der Tageskasse




Verwischte Grenzen zwischen Sein und Nichtsein | Rückblick „Faust Sonnengesang Triptychon“ 7. November 2025

Was wir sahen und erlebten, waren weder ein Autor und Filmemacher unter andern noch ein Film wie viele andere. Werner Fritsch gehört zu den bekanntesten und meistgeachtetsten deutschen Autoren der Gegenwart. Gleich seine erste Buchpublikation „Cherubim“ (Suhrkamp Frankfurt 1987) sorgte für einiges Aufsehen in der literarischen Welt. Seine Themen und seine Sprache sind einfach unverwechselbar.
Fritsch schrieb Romane, Erzählungen, Dramen, Hörspiele, übersetzte Gedichte – und er macht Filme, die sich durch ihre Experimentierfreude und Intensität auszeichnen und dabei ihres gleichen suchen (ohne es freilich zu finden…).

Faust – Magier und großer Suchender
Der Titel des „Filmgedichts“ (W. Fritsch) „Faust. Sonnengesang“ spielt an den großen Suchenden und Magier der Renaissancezeit an, der u. a. Goethe, Nikolaus Lenau und Wladimir Odojewski fasziniert und jeweils zu großen Werken inspiriert hat. Dr. Faust will, so wurde auch in der Neuversion des Fauststoffes deutlich, dem Urrätsel, der Antwort auf Frage nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, auf die Spur kommen. Fausts Methode ist neben der Magie die Einfühlung in die Natur und das Vertrauen auf die dichterische Hellsichtigkeit und Inspiration. Aber neben dem Drang zu wissen ist es die brennende Sehnsucht, zumindest einmal rundum glücklich zu sein. Zentral für Goethes Faust ist die folgende Aussage, die dieser an Mephisto richtet:
„Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“
Nicht in alle Ewigkeit mit den himmlischen Heerscharen vollkommenes Glück in der Gegenwart Gottes zu erleben, wie es das Christentum versprochen hat und noch immer verspricht – das ist Faust irgendwie zu viel, zu nebulös und zu wenig vorstellbar –, sondern hier auf Erden, im Diesseits, (zumindest) einmal restlos glücklich sein, das genügt ihm und dafür war er sogar bereit, seine Seele dem Teufel zu verkaufen.
Dieser kam im Film nicht vor. Aber auch Fritschs Faust zieht los. In Goethes Original folgen auf den Osterspaziergang Auerbachs Keller, Wald und Höhe, Marthens Garten, Wald und Höhe, die Walpurgisnacht auf dem Brocken und Gretchens Zelle im Kerker. Den Faust im gesehenen Film, den der Autor und Regisseur selbst spielt, treibt es gleich um die ganze Weltkugel herum… (Fritsch hat jetzt bereits 15 Jahre lang an diesem Werk gearbeitet und gedreht.)

Faust – ein Greiforgan
Das Wort „Faust“ ist nicht nur ein symbolträchtiger Name, sondern auch ein Begriff aus der Alltagswelt, mit dem das Greiforgan bezeichnet wird – hier ist es eine solche, die sich öffnet: jeder Finger entspricht einem der fünf Kontinente. Zwei davon haben wir letzten Freitag zu sehen bekommen: Europa und Amerika.
Im Gegensatz zur herrschenden Kultur der Trennung und Spaltung, versucht das opulente Filmkunstwerk zum einen das in der Tiefe liegende Verbindende zwischen den Menschen und Kulturen zu zeigen; zum anderen, komplementär dazu, werden mit gleicher Intensität die Vielfalt und Fülle der vielen Kulturen betont – als Gegenentwurf zur faktisch sich vollziehenden Globalisierung: Statt fremde Kulturen in ein langweilig-monotones „global village“ mit dem zweifelhaften Charme urbaner US-amerikanischer Siedlungsgebiete aufzulösen, ruft das viel bestaunte Filmgedicht die jeweils Kontinent-spezifischen, ja ureigenen Bilder herauf, die im Kopf des Zuschauers ein vom Bisherigen stark abweichendes Bild der „Weltgegenden“ kreieren.

Sonne und Tod
Wohin der neue Faust auch immer reist, in welche Kultur er auch immer eintaucht, welchen Urphänomenen menschlichen Lebens er auch nachspürt, zwei davon bleiben konstant, „schweben“ über allem: die Sonne und der Tod. Wie vor ihm der Pharao Echnaton, aber auch der heilige Franz von Assisi die Sonne hymnisch besungen haben, so nun auch Fritsch in einem insgesamt 24 Stunden dauern werdenden (es ist die Dauer eines Sonnenlaufs) Filmgedicht (15 Stunden liegen bereits vor).
Das biblische Wort, es lasse der Herr seine Sonne gleichermaßen über Gerechte und Ungerechte scheinen, findet hier dahingehend seine Abwandlung: Die Sonne scheint über alle Menschen aller Kulturen, ausnahmslos jedem spendet sie Wärme und Licht. Aber da ist immer auch die andere Seite, das Dunkel und das dem Menschen dunkelste Dunkel, der Tod, der je eigene Tod. Man weiß von ihm, dass man ihm nicht entgehen kann…
Entsprechend beginnt die Filmreihe mit einem schweren Autounfall, die Faust an die Grenze des eigenen Todes führt. (Fritsch selbst, seine Familie war auch im Fahrzeug, hat dieses Entsetzliche einst selbst durchmachen müssen.) Damit wurde gewissermaßen ein Moll-Vorzeichen gesetzt. Bei dem zwischen Tod und Leben schwebenden Dichter und Sucher verwischen sich die Grenzen zwischen Sein und Nichtsein, Samsara und Nirvana, Himmel und Erde, Innen und Außen. Das eigene Leben zieht wie ein Film an ihm vorüber, der den Autor immer wieder selbst zeigt, gelegentlich auch Bae Suah, die geliebte Gefährtin. (Die in ihrer südkoreanischen Heimat und darüber hinaus gefeierte Romanautorin ist ebenfalls im Emmeramsaal anwesend gewesen.) Kurzum: ein ganz besonderer Abend und ein überaus packendes Filmgedicht, das sehr zu Recht mit anhaltendem Applaus bedacht worden ist!
PS: Bald schon, am 21. November, wird Werner Fritsch im Theater Regensburg der Preis der Deutschen Schallplattenkritik verliehen, umrahmt von einer Lesung seiner Texte durch bewährte Schauspieler des Hauses. Bitte vormerken!
Prof. Dr. Sigmund Bonk

Sigmund Bonk | Werner Fritsch 07.11.25Was wir sahen und erlebten, waren weder ein Autor und Filmemacher unter andern noch ein Film wie viele andere. Werner Fritsch gehört zu den bekanntesten und meistgeachtetsten deutschen Autoren der Gegenwart. Gleich seine erste Buchpublikation „Cherubim“ (Suhrkamp Frankfurt 1987) sorgte für einiges Aufsehen in der literarischen Welt. Seine Themen und seine Sprache sind einfach unverwechselbar. Fritsch schrieb Romane, Erzählungen, Dramen, Hörspiele, übersetzte Gedichte – und er macht Filme, die sich durch ihre Experimentierfreude und Intensität auszeichnen und dabei ihres gleichen suchen (ohne es freilich zu finden…). Faust - Magier und großer Suchender Der Titel des „Filmgedichts“ (W. Fritsch) „Faust. Sonnengesang“ spielt an den großen Suchenden und Magier der Renaissancezeit an, der u. a. Goethe, Nikolaus Lenau und Wladimir Odojewski fasziniert und jeweils zu großen Werken inspiriert hat. Dr. Faust will, so wurde auch in der Neuversion des Fauststoffes deutlich, dem Urrätsel, der Antwort auf Frage nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, auf die Spur kommen. Fausts Methode ist neben der Magie die Einfühlung in die Natur und das Vertrauen auf die dichterische Hellsichtigkeit und Inspiration. Aber neben dem Drang zu wissen ist es die brennende Sehnsucht, zumindest einmal rundum glücklich zu sein. Zentral für Goethes Faust ist die folgende Aussage, die dieser an Mephisto richtet: „Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“ Nicht in alle Ewigkeit mit den himmlischen Heerscharen vollkommenes Glück in der Gegenwart Gottes zu erleben, wie es das Christentum versprochen hat und noch immer verspricht – das ist Faust irgendwie zu viel, zu nebulös und zu wenig vorstellbar –, sondern hier auf Erden, im Diesseits, (zumindest) einmal restlos glücklich sein, das genügt ihm und dafür war er sogar bereit, seine Seele dem Teufel zu verkaufen. Dieser kam im Film nicht vor. Aber auch Fritschs Faust zieht los. In Goethes Original folgen auf den Osterspaziergang Auerbachs Keller, Wald und Höhe, Marthens Garten, Wald und Höhe, die Walpurgisnacht auf dem Brocken und Gretchens Zelle im Kerker. Den Faust im gesehenen Film, den der Autor und Regisseur selbst spielt, treibt es gleich um die ganze Weltkugel herum… (Fritsch hat jetzt bereits 15 Jahre lang an diesem Werk gearbeitet und gedreht.) Faust - ein Greiforgan Das Wort „Faust“ ist nicht nur ein symbolträchtiger Name, sondern auch ein Begriff aus der Alltagswelt, mit dem das Greiforgan bezeichnet wird – hier ist es eine solche, die sich öffnet: jeder Finger entspricht einem der fünf Kontinente. Zwei davon haben wir letzten Freitag zu sehen bekommen: Europa und Amerika. Im Gegensatz zur herrschenden Kultur der Trennung und Spaltung, versucht das opulente Filmkunstwerk zum einen das in der Tiefe liegende Verbindende zwischen den Menschen und Kulturen zu zeigen; zum anderen, komplementär dazu, werden mit gleicher Intensität die Vielfalt und Fülle der vielen Kulturen betont – als Gegenentwurf zur faktisch sich vollziehenden Globalisierung: Statt fremde Kulturen in ein langweilig-monotones „global village“ mit dem zweifelhaften Charme urbaner US-amerikanischer Siedlungsgebiete aufzulösen, ruft das viel bestaunte Filmgedicht die jeweils Kontinent-spezifischen, ja ureigenen Bilder herauf, die im Kopf des Zuschauers ein vom Bisherigen stark abweichendes Bild der „Weltgegenden“ kreieren. Sonne und Tod Wohin der neue Faust auch immer reist, in welche Kultur er auch immer eintaucht, welchen Urphänomenen menschlichen Lebens er auch nachspürt, zwei davon bleiben konstant, „schweben“ über allem: die Sonne und der Tod. Wie vor ihm der Pharao Echnaton, aber auch der heilige Franz von Assisi die Sonne hymnisch besungen haben, so nun auch Fritsch in einem insgesamt 24 Stunden dauern werdenden (es ist die Dauer eines Sonnenlaufs) Filmgedicht (15 Stunden liegen bereits vor). Das biblische Wort, es lasse der Herr seine Sonne gleichermaßen über Gerechte und Ungerechte scheinen, findet hier dahingehend seine Abwandlung: Die Sonne scheint über alle Menschen aller Kulturen, ausnahmslos jedem spendet sie Wärme und Licht. Aber da ist immer auch die andere Seite, das Dunkel und das dem Menschen dunkelste Dunkel, der Tod, der je eigene Tod. Man weiß von ihm, dass man ihm nicht entgehen kann… Entsprechend beginnt die Filmreihe mit einem schweren Autounfall, die Faust an die Grenze des eigenen Todes führt. (Fritsch selbst, seine Familie war auch im Fahrzeug, hat dieses Entsetzliche einst selbst durchmachen müssen.) Damit wurde gewissermaßen ein Moll-Vorzeichen gesetzt. Bei dem zwischen Tod und Leben schwebenden Dichter und Sucher verwischen sich die Grenzen zwischen Sein und Nichtsein, Samsara und Nirvana, Himmel und Erde, Innen und Außen. Das eigene Leben zieht wie ein Film an ihm vorüber, der den Autor immer wieder selbst zeigt, gelegentlich auch Bae Suah, die geliebte Gefährtin. (Die in ihrer südkoreanischen Heimat und darüber hinaus gefeierte Romanautorin ist ebenfalls im Emmeramsaal anwesend gewesen.) Kurzum: ein ganz besonderer Abend und ein überaus packendes Filmgedicht, das sehr zu Recht mit anhaltendem Applaus bedacht worden ist! PS: Bald schon, am 21. November, wird Werner Fritsch im Theater Regensburg der Preis der Deutschen Schallplattenkritik verliehen, umrahmt von einer Lesung seiner Texte durch bewährte Schauspieler des Hauses. Bitte vormerken! Prof. Dr. Sigmund Bonk©Elisabeth Rieger
Veranstaltung 07.11.25©Elisabeth Rieger
Werner Fritsch 07.11.25©Elisabeth Rieger




Filmabend Werner Fritsch | Faust-Sonnengesang Triptychon 7. November 2025

Der Schriftsteller und Regisseur Werner Fritsch gibt eine filmische Zusammenschau seiner bisherigen FAUST-SONNENGESANG-Filme (über Europa, Amerika und Asien) und einen Ausblick auf noch zu realisierende (über Australien und Afrika).
Warum der Titel „Faust – Sonnengesang“?  Der Begriff „Faust“ erinnert an den großen Suchenden und Magier. Die Filme sind ein Versuch, „Faust“ ins Jetzt zu übersetzen. Zugleich erinnert der Begriff an das Greif-Organ Faust – hier ist es eine solche, die sich öffnet: jeder Finger entspricht einem Kontinent. Im Gegensatz zur herrschenden Kultur der Trennung und Spaltung versucht das opulente Filmkunstwerk, das in der Tiefe liegende Verbindende zwischen Menschen und Kulturen erfahrbar werden zu lassen.

Werner Fritsch
„Faust Sonnengesang Triptychon“
Freitag, 7. November 2025, 19.30 Uhr
EmmeramForum, Emmeramsplatz 3, Regensburg
Eintrittsgebühr: 10 €
Anmeldung: akademischesforum@bistum-regensburg.de | 0941/5971612

Die Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung Regensburg-Stadt findet in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Forum Albertus Magnus statt.