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Mödl 01.07.19 Neumann web

Mo. 01.07.19 - Wolfgangskrypta St. Emmeram Regensburg

Gottesburg, Jerusalem, Thronsaal – Prof. Dr. Ludwig Mödl berichtete von Bewegungen hinter den Kunststilen (Bistums-Homepage, Dr. Neumann)

Ganz besonderer Ort der Veranstaltung
Der Vortrag sollte im Pfarrgarten von St. Emmeram stattfinden. Da dies aber aufgrund der der schlechten Wetterverhältnisse nicht möglich war, wurde der Vortrag an einen ganz besonderen Ort, nämlich in die Krypta der Basilika St. Emmeram, verlegt. Prof. Dr. S. Bonk, der Direktor des Akademischen Forums, hob einleitend die Würde und Tradition des Ortes hervor und stellte den Referenten vor.


Der Referent
Dr. Ludwig Mödl (Jg. 1938) war u.a. Regens des Eichstätter Priesterseminars, Direktor auf Schloss Hirschberg, Professor in Luzern, Eichstätt, Ingolstadt und an der LMU in München, Spiritual am Herzoglichen Georgianum München und Universitätsprediger an der Ludwigskirche in München. Seit 2013 ist er Alterskaplan in der Pfarrei Hl. Geist/ München.
Grundthese
Als Grundlage seiner Ausführungen nannte Prof. Mödl die Hypothese, dass die Kunststile sehr eng mit dem jeweiligen Lebensbefühl der Menschen verbunden sind, hinter dem unterschiedliche theologische Schwerpunkte stehen. Zur Untermauerung dieser These nahm er die interessierten Zuhörer mit auf eine Reise durch die Kunstgeschichte:
Spätantike (6./ 7. Jahrhundert)
Die Christen konnten seit 313 ihre Religiösität offen ausleben. Der Mensch sehnte sich nach Befreiung vom Materiellen zum Geistigen. Das Irdische wird im Christentum im Gegensatz zur damaligen Philosophie nicht verworfen, sondern durch die Auferstehung verklärt. Das Christentum befreit das Geistige ohne das Irdische abzuwerten. Die christliche Kunst begann aufzublühen und mit dem Siegeszug des Christentums verschwanden allmählich vorchristliche Kulte und Traditionen. In Darstellungen werden jetzt Zeichen und Symbole wie etwa der Fisch für Christus gebräuchlich. Das Kreuz wurde allmählich zum Zeichen des Sieges über den Tod.
Romanik (950- 1159)
Die Leitidee war der Auferstehungsglaube; das Diesseits ist der Weg und das Jenseits das Ziel. Nun blühten Klöster auf. Die Kirche musste dafür sorgen, dass das Böse bekämpft wird. Kirchen wurden nun äußerlich zu Gottesburgen, zu mächtigen Bauten gegen das Böse, innen beeindrucken Musik und Lichteinfall. Der Gekreuzigte wurde als Sieger, als über den Tod triumphierender, königlicher Christus dargestellt.
Gotik (Mitte 12. bis Mitte 16. Jahrhundert)
Hunger, Seuchen, Kriege machten das Leben bitter. Mit dem leidenden Christus konnten sich viele Menschen mit ihrer eigenen Not identifizieren. Man fragte sich, wie von Gott überhaupt geredet werden könne. Die hoch emporragenden Kathedralen haben bunte, das Licht in alle Farben brechende und die Wand auflösende Glasfenster. Sie vergegenwärtigen das Himmlische Jerusalem und machen es bereits auf Erden sinnlich erfahrbar.
Renaissance (1400- 1600)
Nun gab es eine optimistische Aufbruchsstimmung. Der Mensch hat ein ewiges Leben und ein jenseitiges Ziel. Die Kultur der Antike wird als dem christlichen Ideal näher stehend erachtet und deswegen eine „Wiedergeburt der Antike“ angestrebt. Es galt als Aufgabe der Kirche dies fördern.
Die Renaissance bringt neue Schönheitsideale und ein lebensbejahendes Menschenbild zum Ausdruck. Der Mensch der Renaissance ist selbstbewusst, schön und ein wunderbares Geschöpf Gottes.
Barock (1600- 1750)
Es ist die Zeit der Kirchenspaltung, die verunsichert und in den 30-jährigen Krieg mündet. Die katholische Kirche war nach der Reformation im 16. Jahrhundert erschüttert. Der Barock ist eine Antwort auf das nüchterne Erscheinungsbild des Protestantismus. Durch das Konzil von Trient wurde der katholische Glaube definiert.
Der Mensch sollte in den Kirchen von der Pracht, dem Reichtum und der Kunst beeindruckt werden (Gegenreformation). Der Barock wandelte sich zunehmend zum Rokoko.
Rokoko
Prunk, Verzierungen, Farbenvielfalt des Barock werden verfeinert. Im Rokoko tritt an die Stelle monumentaler Pracht und Dynamik der Barock mit seinem feinsinnigen Lebensgefühl mit Sinnlichkeit.
19. und 20. Jahrhundert
Die Vielzahl von Strömungen und Konzepten, politischen und kulturellen Veränderungen dieser Zeit forderten Kirche und Theologie stark heraus. Im 19. Jahrhundert entstand etwa die Katholische Soziallehre. Sie liefert den Beitrag der Kirche zur sozialen Frage, zur Freiheit und zu Bürger- und Menschenrechten. Die Kirche besann sich im I. Vatikanischen Konzil auf sich selbst und definierte das Dogma von der Päpstlichen Unfehlbarkeit.
Jugendstil (ca. 1890-1910)
Quellen des Jugendstils liegen auch in der religiösen Suche nach Sinn und Selbstbestimmung des Menschen. Typisch sind dekorative fließende Linien, Blumen- Ornamente, geometrische Formen und Verwendung von symbolischen Gestalten.
Expressionismus (Ende 19. - Beginn 20. Jahrhundert)
Der Expressionismus versucht, ohne realitätsgetreue Darstellungen etwa durch die Auswahl der Farben oder Veränderung der Form das Wesentliche eines Gegenstandes zum Ausdruck zu bringen: Emil Nolde (1867-1956) "Abendmahl"(1909) oder das "Leben Jesu".
In der anschließenden Aussprache wurde der gotische Dom von Regensburg thematisiert oder auch die Übergänge zwischen den Stilepochen.
Dr. Johann Schwinghammer

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