Joseph Ratzingers Argumente für die Erkennbarkeit der einen Wahrheit

Donnerstag, 19. April 2018, 19.30 Uhr

Café „Goldenes Kreuz“, Kaisersaal, Haidplatz 7, Regensburg

Prof. Dr. Karl-Heinz Menke (Bonn)

In Anwesenheit S. E. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Die meisten Zeitgenossen meinen, im Bereich von Religion und Glaube sei die Wahrheitsfrage unangebracht, weil es hier kein überprüfbares Kriterium für 'wahr' oder 'falsch' gebe. Man reduziert die "Wahrheit an sich" auf eine "Wahrheit für mich". Das, was man theologisch „Offenbarung“ nennt,  wird als narratives Konstrukt zur Legitimierung der eigenen Tradition deklariert. Und / oder man erklärt Religionen im Anschluss an L. Wittgenstein u. a. als geschichtlich bedingte „Sprachspiele“, die (nur) solange von Bedeutung sind, als sie sich praktisch bzw. diskursiv bewähren.  Der Vortragende analysiert und resümiert die Gegenargumente des emeritierten Papstes. Er konfrontiert dessen Denken mit den Einwänden seiner Kritiker und stellt auch die Frage nach einem möglichen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise des Christentums.Institut Papst Benedikt Logo

 Der Vortrag fand in Kooperation mit dem Institut Papst Benedikt XVI. statt. 


Karl Heinz Menke 2 webKarl-Heinz Menke (Jg. 1950) studierte Philosophie, Katholische Theologie und Altphilologie in Münster und Rom. 1974 wurde er zum Priester geweiht. Er erwarb 1975 das Lizenziat in Theologie an der Gregoriana in Rom, 1978 erfolgte ebd. die Promotion zum Dr. theol., zwischen 1979 und 1981 war er Vikar, Religionslehrer und Dekanatsjugendseelsorger, bevor er 1981 Geheimsekretär des Bischofs von Osnabrück und Domvikar wurde. Von 1987 bis 1990 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Freiburg; 1990 Habilitation. Seit 1990 Professor für Dogmatik und Theologische Propädeutik an der Universität Bonn. Menke ist Mitherausgeber der „Bonner Dogmatischen Studien“. 2001 wurde er Mitglied der Kommission I (Theologie) der Deutschen Bischofskonferenz. Menke ist zudem Mitglied der Internationalen Theologenkommission, Ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowieTräger des Joseph-Ratzinger-Preises 2017.

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Rückblick von Dr. Johann Schwinghammer, Pastoralreferent

Das Akademische Forum Regensburg ermöglichte in Kooperation mit dem Institut Papst Bebedikt  XVI. einen beachtenswerten Vortrag: „Das Tribunal des zeitgenössischen Relativismus - Joseph Ratzingers Argumente für die Erkennbarkeit der Wahrheit“.
Dazu fanden sich mit S. E. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gut 70 Interessierte ein.  
Genau an diesem Tag vor 13 Jahren wurde Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt.

Prof. Dr. Sigmund Bonk war es gelungen, den hochkarätigen Theologen Prof Dr. Karl-Heinz Menke als Vortragenden zu gewinnen. Während der Relativismus davon ausgeht, dass es gar keine absolute Wahrheit gibt, ist das Jesus- Buch von J. Ratzinger ein leidenschaftliches Bekenntnis zu Christus als die Wahrheit.
Die eine Wahrheit und die vielen Religionen
Heute werden die Unterschiede der Religionen oftmals relativiert und so wird von einer weitgehenden Gleichheit aller religiöser Weltanschauungen ausgegangen. Damit wird die Überzeugung, dass das Christentum „die wahre Religion“ ist, in Frage gestellt.
Gott ist in abgestufter Weise sicherlich auch in anderen Religionen erahn- bzw. erkennbar, die Fülle der göttlichen  Offenbarung erfolgte aber  in Jesus Christus. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. In ihm nahm Gott die Gestalt eines Geschöpfes an und offenbarte seine Wahrheit und Liebe.
Die Stimme des Gewissens
Manche Zeitgenossen berufen sich zur Legitimation ihrer wie auch immer gearteten Ansichten und Taten blindlings auf die Stimme ihres Gewissens. Dabei wird aber übersehen, dass  das Gewissen an Christus orientiert und in ihm verankert  sein muss. Ratzinger bezeichnet eine blinde Berufung auf das Gewissen sogar als „Kanonisation des Relativismus“.
Die christliche Lehre und Vernunft
Die christliche Lehre  stellt naturwissenschaftliche Erkenntnisse nicht in Frage. Im Gegenteil: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich als Hinweise auf die Größe und Allmacht Gottes bezeichnen. Der Mensch ist von seinem Wesen her letztlich auf Christus hin geschaffen und angelegt. Er trägt in sich eine Sehnsucht nach Liebe, Wahrheit und Leben und somit nach Christus. Wahrhafte Menschwerdung gelingt durch Christus. Das unterscheidend Christliche ist das entscheidend Menschliche.
Die Offenbarung Gottes in Geschichte und Natur
„Offenbarung ist mehr als Heilige Schrift und Dogma, denn sie ist etwas Lebendiges.“ (K. -H. Menke)
Die Offenbarung Gottes erfolgt auch in Geschichte und der Natur. Durch Christus wurde alles erschaffen, erlöst und er ist Quelle und Ziel aller Wirklichkeit und Wahrheit. Damit verleiht der Glaube an ihn gerade dann, wenn alles relativ zu werden droht, Sicherheit und Orientierung